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Klavierabend im SeeCampus

(16.04.2018)

 

Dank der nicht nachlassenden Bemühungen des Vorsitzenden des Fördervereins SeeCampus, Herrn Paul-Gerhard Thiele, konnte für das Konzert am 13. April der renommierte Pianist Vadim Chaimovich aus Frankfurt/Main gewonnen werden. Er stellte sein Konzert unter das Motto "Meisterwerke und Raritäten". Diese Überschrift löste sich durch das Programm nachvollziehbar auf, es enthielt neben "pianistischen Favoriten" auch Werke, die im Konzertbetrieb selten oder gar nicht zu hören sind. So war es ein wunderbares Kaleidoskop kleiner Stücke aus sehr verschiedenen Zeiten.

 

Der Abend begann mit zwei Werken des englischen Komponisten Henry Purcell. Der "Großmeister des englischen Hochbarocks" wurde nur 36 Jahre alt und hinterließ dennoch ein in Umfang und Qualität gewaltiges Werk. Sein Hauptbetätigungsfeld war allerdings die Vokalmusik, Opern, Schauspielmusiken, geistliche Chormusik. Werke für Tasteninstrumente nehmen nur einen verschwindend geringen Raum ein, es stechen die acht Suiten für Cembalo hervor.

So entpuppte sich das Eingangsstück "Rondo d-moll" auch als eine Bearbeitung eines "Rondeau" für Orchester aus der Schauspielmusik zu dem Drama "Abdelazeror The Moor'sRevenge" aus dem Jahre 1695, dem Todesjahr Purcells. Das sehr schöne Thema benutzte übrigens ein anderer großer englischer Komponist, Benjamin Britten, 250 Jahre später für sein sehr bekanntes Orchesterwerk "The Young Person's Guide tothe Orchestra". Das zweite vorgestellte kurze Werke Purcells hatte den Namen "Groundc-moll". "Ground" bezeichnet in etwa dasselbe, was sonst, je nach Sprache, "Ciacona" oder "Chaconne" genannt wird, Variationen über eine feststehende Baßlinie oder Harmoniefolge.

Das Rondo D-Dur Köchelverzeichnis 485 wird manch engagierte Klavierspieler kennen, es ist ein beliebtes Stück in den fortgeschrittenen Jahrgangsstufen der Musikschulen. Die Bezeichnung "Rondo" stammt übrigens nicht von Mozart selbst. Das kleine Musikstück sprüht nur so von originellen Einfällen, die mannigfalitigen Veränderungen des Themas zeichnete der Pianist mit sicherem Gespür nach.

 

Es folgte eine Chaconnet-moll des Thüringers Johann Pachelbel, der nach vielen beruflichen Stationen am Ende an der St. Sebaldus-Kirche in Nürnberg wirkte. Bei ihm heißt das Stück "Ciacona", was italienisch das gleiche wie das französische Chaconne bedeutet. Pachelbel war eine zentrale Figur der "mitteldeutschen Schule", hier schneiden sich süddeutsche Einflüsse (Froberger, Kerll) mit der norddeutschen Kunst eines Dieterich Buxtehudes und dessen Zeitgenossen. Ein Schüler Pachelbels war übrigens Johann Christoph Bach, der ältere Bruder Johann Sebastian Bachs, bei dem der Knabe Sebastians nach dem frühen Tod des Vaters aufwuchs und seine erste musikalische Ausbildung erhielt. So kann man durchaus sagen, Johann Sebastian Bach war ein Enkelschüler Johann Pachelbels. Einflüsse Pachelbels sind jedenfalls in der frühen Orgelmusik Johann Sebastian mannigfaltig nachweisbar.

Dies soll das Stichwort zu einer Anmerkung sein; diese Chaconne, eine Variationsreihe über eine Basslinie, ist eigentlich ein sehr bekanntes Orchesterwerk. Inwieweit die Interpretation des Pianisten den Vergleich mit der objektiven Strenge des Originals standhält, soll jeder entscheiden, der sich das Original zum Vergleich anhört.

 

Der nächste Komponist, Antonio Rosetto, heißt eigentlich Franz Anton Rösler und war gebürtig in Leitmeritz (heute Litomerice) in Böhmen. Musiker waren damals ein böhmischer "Exportschlager". Sehr viele Musker zogen aus Böhmen in die Musikzentren Europas und wurden stilbildend in der Frühklassik, genannt seinen Johann Wenzel Anton Stamitz und seine beiden Söhne Carl Philip und Anton Thaddäus Johann Nepomuk in Mannheim, die Brüder Franz und Johann Georg Benda in Berlin, Johann Baptist Vanhall in Wien. Antonio Rosetti wirkte nach einigen kürzeren beruflichen Stationen viele Jahre als Kapellmeister der Hofkapelle der Herzöge von Mecklenburg-Schwerin in Ludwigslust. Dieses Ensebleme hatte damals einen europaweit hervorragenden Ruf. So ist es nicht überraschend, dass die Orchestermusik mit Schaffen Rosettis den vorderen Platz einnimmt. Er schrieb unter anderem mindestens 34 Sinfonien. Heute noch oft gespielt werden die Solokonzerte für diverse Blasinstrumente. Die Musik für Tasteninstrumente spielt hingegen eine geringere, wenn auch wichtige Rolle in seinem Schaffen. Die uns zu Gehör gebrachte Sonate in B-Dur ist ein typisches Beispiel für eine Sonate der Frühklassik; der Themendualismus in der Exposition des Sonatenhauptplatzes ist schon klar ausgebildet, der Durchführungsteil erscheint noch weniger entwickelt. Das vergnügliche Werk brachte uns der Künstler mit Schwung und Akkuratesse zu Gehör.

 

Nach der Pause folgten Werke, die für das uns heute vertraute Klavier geschrieben wurden. Nun war der Pianist in seinem eigentlichen Element. Felix Mendelssohn-Bartholdys "Venetianisches Gondelllied" stammt aus dem zweiten Heft der "Lieder ohne Worte". Diese Sammlung von insgemsat acht Heften mit je sechs Klavierstücken begründeten Mendelssohns feste Position in der Hausmusik, mit Ausnahmen der Jahre 1933-1945. Der Titel "Lieder ohne Worte" erklärt die Idee der Stücke, eine poetische Idee wird wie ein Lied ohen Text ausgestaltet, hier ist es der wehmütige Gesang eines Gondolieres, der über der Lagune erklingt.

Franz Liszt hinterließ ein kaum zu überblickendes Gesamtwerk für das Soloklavier. Es gibt eine Gesamtaufnahme auf Tonträgern, die 75 CD's umfasst. Die Bearbeitungen fremder Werke nehmen dabei einen gewichtigen Teil ein. Bekannt sind vor allem die "Paraphrasen" über damals aktuelle "Opernhits", aber auch Lieder von Franz Schubert bearbeitete Franz Liszt gern. Vadim Chaimovich brachte uns die Klavierübertragung der Nummer vier aus dem "Schwanengesang" Schuberts auf einen Text Ludwig Rellstabs zu Gehör. "Leise flehen meine Lieder durch die Nacht zu Dir, In den stillen Hain hernieder, Liebchen, komm zu mir!..." Sicherlich erscheint uns heute die Liszt'sche Übertragng als eine typische Zeiterscheinung, aber die Wehmut des Originals hat Liszt doch sehr überzeugend in seiner Bearbeitung eingefangen, und so ging auch die Interpretation dem Hörer zu Herzen.

 

Mit dem kurzen Stück "Mit dem Schlitten den Hügel hinunter" von Chaimovich's lettischen Landsmann Balys Dvarionas konnte unser Künstler seine Virtuosität vorführen; gewichtiger die Beiträge der Großmeister des Klaviers: Frederic Chopin und Sergej Rachmaninow. Von Chopin spielte der Pianist neben dem sehr bekannten Nocturne Es-Dur Opus 9 Nr. 2, die Mazurka a-moll Opus 17 Nr. 4. Die Mazurka ist bekanntlich ein Tanz, in dieser Mazurka hört man den Tanz nur noch ganz entfernt. Das Stück atmet eine so starke Wehmut aus wie selten ein Werk Chopins, vielleicht ist es die Erinnerung an die verlorene Heimat. Zum Schluss hörten wir zwei pianistische Glanzstücke, die "Moment musicaux" Des-Dur und C-Dur, die Nummern 5 und 6 aus der Sammlung Opus 16. Das erste Stück, eine Barcarolle, ist ein sentimentaler Ohrwurm, das zweite ein triumphaler Schlusspunkt. Das Publikum dankte dem hervorragenden Pianisten mit freudigem Beifall und erzwang zwei Zugaben.

 

Das sehr zahlreiche Publikum war begeistert und ging zufrieden nach Hause. Es musste nur noch das kurze Stück zum Parkplatz durch den Regen überwunden werden.

Harald Podczeck

 

 

Frohe Ostern!

(26.03.2018)

 

Wir wünschen allen erholsame Osterfeiertage!

 

Fotoquelle: Alexandra H. / pixelio.de

 

 

Leserbrief zum Preisträgerkonzert vom 9. März

(12.03.2018)

Wer sich am letzten Freitag von Couch und Fernseher trennen konnte und der Einladung des Förderverein des SeeCampus in Schwarzheide folgte, hatte ein außergewöhnliches Erlebnis in mehrfacher Hinsicht. Die Preisträger der Musikschule OSL beim Regionalwettbewerb stellten sich in einem Konzert vor.

 

Oft sind junge Menschen gerade jetzt mit negativen Nachrichten in den Medien. An diesem Abend konnte man junge Instrumentalisten verschiedener Genres mit hohem Niveau musizieren hören. Von der Konzertgitarre über das Klavier-Duo, das Streichquartett, die Bassgitarre und die Schlagwerke - alles war ein Hörgenuss.

 

Wer selbst einmal ein Instrument erlernt weiß, welchen Zeitaufwand es erfordert eine solche Perfektion, wie sie an diesem Abend geboten wurde, zu erreichen. Diese jungen Künstler werden nicht vom Fernseher oder Computer angezogen. Sie machen das freiwillig und opfern einen großen Teil ihrer Freizeit.

 

Im Verein mit einer klugen musikpädagogischen Führung ist das eine der besten Investitionen dieser jungen Leute. Der Förderverein SeeCampus unter der Leitung von Herrn Thiele gibt dem hoffnungsvollen künstlerischen Nachwuchs ein Podium. Er leistet auch mit den anderen Konzerten einen wesentlichen Beitrag zum kulturellen Angebot in unserer Region.

Rüdiger Labrentz