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Ein Klavierduo im See Campus

(15.06.2018)

 

Vierhändiges Klavierspiel  in Vollendung wurden dem Publikum am 15. Juni im See Campus geboten, eine willkommene Abwechslung nach einigen eindrücklichen Solo-Klavierabenden in den letzten Jahren.

 

Die Künstler, das renommierte Duo aus Spanien, Sofia Cabruja und Carles Lama, ließen uns hören, was vier Künstlerhände aus einem Flügel „herausholen können“.

 

Nun ist die Original-Literatur für Klavier zu vier Händen im Vergleich zu den Solowerken verschwindend gering, außerdem oft sehr speziell. So dominieren in den Programmen auch anderer konzertierender Duos die Bearbeitungen. Diese Bearbeitungen für vier Hände, vor allem von Musik aus populären Opern, sind ein typisches Produkt für die Hausmusik der gebildeten Bürgerhaushalte  der zweiten Hälfte des neunzehnten und der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. So erschloss man sich die Musik der wichtigsten Werke der klassischen Musik für den Haugebrauch, die „Hits“ aus den schönsten Opern standen so dauerhaft bereit zum Hören. Heute hört man die Musik über eine CD oder andere elektronischen Klangquellen, nun steht „alles“ ständig zur Verfügung. Allerdings, die früher allgegenwärtige Hausmusik mit ihrem Anspruch des Selbermusizierens ist weitgehend verloren gegangen, leider, wie ich finde.

 

Also, im ersten Teil des Programms vierhändige Bearbeitungen aus Opern, die auch heute noch regelmäßig auf den Spielplänen stehen. Von Gioachino Rossini die Ouvertüre zu seiner wohl meistgespielten Oper Der Barbier von Sevilla aus dem Jahre  1816. Siebenunddreißig Jahre lang schrieb Rossini eine Oper nach der anderen. Plötzlich, 1829, zog er sich von der Opernbühne ins Privatleben zurück und komponierte vom Umfang her nur noch sehr wenig, er widmete sich stattdessen seiner zweiten Leidenschaft, der Kochkunst, ein Klassiker auch heute noch seine „Tournedos Rossinis“.

 

Das Leben von Vincenzo Bellini war dagegen kurz und verlief sehr abenteuerlich, es wurde auch verfilmt. Wir hörten eine Bearbeitung der Sopran-Arie Casta diva aus Bellinis erfolgreichster Oper Norma. Diese Arie ist ein Paradestück, besonders die Aufnahme mit Maria Callas haben auch heute noch einen „Kultstatus“.

 

Den Gegensatz zum italienischen Belcanto stellt in gewisser Weise das Musikdrama Richard Wagners dar. Seine sicherlich vielschichtigste Oper : Tristan und Isolde, hieraus in der vierhändigen Bearbeitung der dramatische Höhepunkt: Isoldens Liebestod.  Ein wenig konnte man die suggestive Macht von Wagners Musik erahnen, wer die Zeit und das Sitzfleisch hat sollte sich den „Tristan“ im Opernhaus anhören, er dauert aber mit Pausen ca. fünf Stunden.

 

Fast genau so lang dauert Wagners Oper Tannhäuser. Auch die Ouvertüre ist verhältnismäßig lang geraten, sie bringt die wichtigsten Themen der Oper, dominierend der „Pilgerchor“. Hier zeigte sich, wie es durch die vierhändige Bearbeitung gelingt, möglichst viele Orchesterstimmen wiederzugeben, der Solospieler wird hier an technische Grenzen stoßen.

 

Nach der Pause boten die beiden Künstler dann spanische Musik von Enrique Granados.  Wir merkten, hier sind sie  zu Hause, ein pianistisches Feuerwerk wurde abgebrannt. Granados, selbst ein begnadeter Pianist, komponierte zwischen 1909 und 1913 den Zyklus von sechs Stücken „Goyescas“ für Klavier, angeregt durch Bilder des großen spanischen Malers Francisco Goya, speziell des Bilderzyklus Caprichos. Allerdings beschreibt Granados diese Bilder nicht einfach musikalisch,  vielmehr gibt er die Stimmung dieser Bilder aus dem spanischen Alltagsleben wieder. Wenig später nutzte Granados diese Musik für seine Oper „Goyescas“, die 1916 in New York uraufgeführt wurde. Tragisch, auf der Rückfahrt von New York wurde sein Schiff von einem deutschen U-Boot torpediert, Granados und seine Frau kamen  in den Fluten des Ärmelkanals ums Leben.

Aus dieser Oper nun entstand eine Suite von fünf Stück mit dem typischen spanischen Kolorit, quirlig „El Pelele“, lyrisch „La Maja y el Ruisenor“, grandios im Schlussstück „Los Requiebros“. Die Klangentfaltung beeindruckend, so, wie man es von vierhändiger Klaviermusik erwartet.  Das Publikum war begeistert.

 

Zwei Zugaben, ein weiteres spanisches Stück und eine Bearbeitung des Schubert-Liedes „Leise flehen meine Lieder“, die Zuhörer gingen beglückt in den lauen Sommerabend. Alle freuen sich auf das nächste Konzert.

 

 

Klavierabend im SeeCampus

(16.04.2018)

 

Dank der nicht nachlassenden Bemühungen des Vorsitzenden des Fördervereins SeeCampus, Herrn Paul-Gerhard Thiele, konnte für das Konzert am 13. April der renommierte Pianist Vadim Chaimovich aus Frankfurt/Main gewonnen werden. Er stellte sein Konzert unter das Motto "Meisterwerke und Raritäten". Diese Überschrift löste sich durch das Programm nachvollziehbar auf, es enthielt neben "pianistischen Favoriten" auch Werke, die im Konzertbetrieb selten oder gar nicht zu hören sind. So war es ein wunderbares Kaleidoskop kleiner Stücke aus sehr verschiedenen Zeiten.

 

Der Abend begann mit zwei Werken des englischen Komponisten Henry Purcell. Der "Großmeister des englischen Hochbarocks" wurde nur 36 Jahre alt und hinterließ dennoch ein in Umfang und Qualität gewaltiges Werk. Sein Hauptbetätigungsfeld war allerdings die Vokalmusik, Opern, Schauspielmusiken, geistliche Chormusik. Werke für Tasteninstrumente nehmen nur einen verschwindend geringen Raum ein, es stechen die acht Suiten für Cembalo hervor.

So entpuppte sich das Eingangsstück "Rondo d-moll" auch als eine Bearbeitung eines "Rondeau" für Orchester aus der Schauspielmusik zu dem Drama "Abdelazeror The Moor'sRevenge" aus dem Jahre 1695, dem Todesjahr Purcells. Das sehr schöne Thema benutzte übrigens ein anderer großer englischer Komponist, Benjamin Britten, 250 Jahre später für sein sehr bekanntes Orchesterwerk "The Young Person's Guide tothe Orchestra". Das zweite vorgestellte kurze Werke Purcells hatte den Namen "Groundc-moll". "Ground" bezeichnet in etwa dasselbe, was sonst, je nach Sprache, "Ciacona" oder "Chaconne" genannt wird, Variationen über eine feststehende Baßlinie oder Harmoniefolge.

Das Rondo D-Dur Köchelverzeichnis 485 wird manch engagierte Klavierspieler kennen, es ist ein beliebtes Stück in den fortgeschrittenen Jahrgangsstufen der Musikschulen. Die Bezeichnung "Rondo" stammt übrigens nicht von Mozart selbst. Das kleine Musikstück sprüht nur so von originellen Einfällen, die mannigfalitigen Veränderungen des Themas zeichnete der Pianist mit sicherem Gespür nach.

 

Es folgte eine Chaconnet-moll des Thüringers Johann Pachelbel, der nach vielen beruflichen Stationen am Ende an der St. Sebaldus-Kirche in Nürnberg wirkte. Bei ihm heißt das Stück "Ciacona", was italienisch das gleiche wie das französische Chaconne bedeutet. Pachelbel war eine zentrale Figur der "mitteldeutschen Schule", hier schneiden sich süddeutsche Einflüsse (Froberger, Kerll) mit der norddeutschen Kunst eines Dieterich Buxtehudes und dessen Zeitgenossen. Ein Schüler Pachelbels war übrigens Johann Christoph Bach, der ältere Bruder Johann Sebastian Bachs, bei dem der Knabe Sebastians nach dem frühen Tod des Vaters aufwuchs und seine erste musikalische Ausbildung erhielt. So kann man durchaus sagen, Johann Sebastian Bach war ein Enkelschüler Johann Pachelbels. Einflüsse Pachelbels sind jedenfalls in der frühen Orgelmusik Johann Sebastian mannigfaltig nachweisbar.

Dies soll das Stichwort zu einer Anmerkung sein; diese Chaconne, eine Variationsreihe über eine Basslinie, ist eigentlich ein sehr bekanntes Orchesterwerk. Inwieweit die Interpretation des Pianisten den Vergleich mit der objektiven Strenge des Originals standhält, soll jeder entscheiden, der sich das Original zum Vergleich anhört.

 

Der nächste Komponist, Antonio Rosetto, heißt eigentlich Franz Anton Rösler und war gebürtig in Leitmeritz (heute Litomerice) in Böhmen. Musiker waren damals ein böhmischer "Exportschlager". Sehr viele Musker zogen aus Böhmen in die Musikzentren Europas und wurden stilbildend in der Frühklassik, genannt seinen Johann Wenzel Anton Stamitz und seine beiden Söhne Carl Philip und Anton Thaddäus Johann Nepomuk in Mannheim, die Brüder Franz und Johann Georg Benda in Berlin, Johann Baptist Vanhall in Wien. Antonio Rosetti wirkte nach einigen kürzeren beruflichen Stationen viele Jahre als Kapellmeister der Hofkapelle der Herzöge von Mecklenburg-Schwerin in Ludwigslust. Dieses Ensebleme hatte damals einen europaweit hervorragenden Ruf. So ist es nicht überraschend, dass die Orchestermusik mit Schaffen Rosettis den vorderen Platz einnimmt. Er schrieb unter anderem mindestens 34 Sinfonien. Heute noch oft gespielt werden die Solokonzerte für diverse Blasinstrumente. Die Musik für Tasteninstrumente spielt hingegen eine geringere, wenn auch wichtige Rolle in seinem Schaffen. Die uns zu Gehör gebrachte Sonate in B-Dur ist ein typisches Beispiel für eine Sonate der Frühklassik; der Themendualismus in der Exposition des Sonatenhauptplatzes ist schon klar ausgebildet, der Durchführungsteil erscheint noch weniger entwickelt. Das vergnügliche Werk brachte uns der Künstler mit Schwung und Akkuratesse zu Gehör.

 

Nach der Pause folgten Werke, die für das uns heute vertraute Klavier geschrieben wurden. Nun war der Pianist in seinem eigentlichen Element. Felix Mendelssohn-Bartholdys "Venetianisches Gondelllied" stammt aus dem zweiten Heft der "Lieder ohne Worte". Diese Sammlung von insgemsat acht Heften mit je sechs Klavierstücken begründeten Mendelssohns feste Position in der Hausmusik, mit Ausnahmen der Jahre 1933-1945. Der Titel "Lieder ohne Worte" erklärt die Idee der Stücke, eine poetische Idee wird wie ein Lied ohen Text ausgestaltet, hier ist es der wehmütige Gesang eines Gondolieres, der über der Lagune erklingt.

Franz Liszt hinterließ ein kaum zu überblickendes Gesamtwerk für das Soloklavier. Es gibt eine Gesamtaufnahme auf Tonträgern, die 75 CD's umfasst. Die Bearbeitungen fremder Werke nehmen dabei einen gewichtigen Teil ein. Bekannt sind vor allem die "Paraphrasen" über damals aktuelle "Opernhits", aber auch Lieder von Franz Schubert bearbeitete Franz Liszt gern. Vadim Chaimovich brachte uns die Klavierübertragung der Nummer vier aus dem "Schwanengesang" Schuberts auf einen Text Ludwig Rellstabs zu Gehör. "Leise flehen meine Lieder durch die Nacht zu Dir, In den stillen Hain hernieder, Liebchen, komm zu mir!..." Sicherlich erscheint uns heute die Liszt'sche Übertragng als eine typische Zeiterscheinung, aber die Wehmut des Originals hat Liszt doch sehr überzeugend in seiner Bearbeitung eingefangen, und so ging auch die Interpretation dem Hörer zu Herzen.

 

Mit dem kurzen Stück "Mit dem Schlitten den Hügel hinunter" von Chaimovich's lettischen Landsmann Balys Dvarionas konnte unser Künstler seine Virtuosität vorführen; gewichtiger die Beiträge der Großmeister des Klaviers: Frederic Chopin und Sergej Rachmaninow. Von Chopin spielte der Pianist neben dem sehr bekannten Nocturne Es-Dur Opus 9 Nr. 2, die Mazurka a-moll Opus 17 Nr. 4. Die Mazurka ist bekanntlich ein Tanz, in dieser Mazurka hört man den Tanz nur noch ganz entfernt. Das Stück atmet eine so starke Wehmut aus wie selten ein Werk Chopins, vielleicht ist es die Erinnerung an die verlorene Heimat. Zum Schluss hörten wir zwei pianistische Glanzstücke, die "Moment musicaux" Des-Dur und C-Dur, die Nummern 5 und 6 aus der Sammlung Opus 16. Das erste Stück, eine Barcarolle, ist ein sentimentaler Ohrwurm, das zweite ein triumphaler Schlusspunkt. Das Publikum dankte dem hervorragenden Pianisten mit freudigem Beifall und erzwang zwei Zugaben.

 

Das sehr zahlreiche Publikum war begeistert und ging zufrieden nach Hause. Es musste nur noch das kurze Stück zum Parkplatz durch den Regen überwunden werden.

Harald Podczeck

 

 

Frohe Ostern!

(26.03.2018)

 

Wir wünschen allen erholsame Osterfeiertage!

 

Fotoquelle: Alexandra H. / pixelio.de